Der Verein
Die Internationale FAUST-GESELLSCHAFT 1967 e.V.
Das Thema "Faust" fasziniert die Menschen schon seit 500 Jahren. Der historische Doktor Faust (lebte etwa 1480 bis 1540) war eine umtriebige, geheimnisvolle Gestalt, bereits von seinen Zeitgenossen der Scharlatanerie verdächtigt und dämonisiert.
Aus volkstümlichen Überlieferungen entwickelte sich schnell eine Sagenfigur, die bis heute zu immer neuen Charaktervarianten inspiriert. Goethe machte Faust mit seinem Drama berühmt; daraus entstanden im Verlauf der Geistes- und Kulturgeschichte weitere Schöpfungen in vielen Texten und Werken der Literatur und Kunst.
Die Faust-Gesellschaft wurde im Jahre 1967 in Knittlingen, dem Geburtsort des historischen Fausts gegründet.
Ihr Themen- und Arbeitsfeld ist die Faust-Überlieferung, die vom historischen Faust des 16. Jahrhunderts bis in die Moderne reicht - man denke etwa an Thomas Manns Roman "Doktor Faustus". Aber keineswegs nur in der deutschen Literatur, sondern in der Weltliteratur lässt sich eine solche Faust-Tradition in ihren vielfachen Bezügen zur Kultur- Ideen-, Wissenschafts- und Politikgeschichte verfolgen.
Die literatur- und kulturvermittelnde wie auch die historische und wissenschaftliche Arbeit der Gesellschaft nimmt dann insbesondere auch die aktuellen Aspekte der Faust-Thematik in unserer Gegenwart in den Blick.
Dabei bemüht sie sich, das Interesse für das Thema "Faust" durch wissenschaftliche Vorhaben und öffentliche Veranstaltungen sowie durch Publikationen zu fördern. Zu diesem Zweck werden Vortragsreihen und Tagungen organisiert, die dann in Jahrbüchern und Sammelbänden dokumentiert werden.
Ergänzt werden diese Aktivitäten neuerdings durch regelmäßige Online-Vorträge, die über die Homepage der Gesellschaft zugänglich sind.
Die Mitglieder der Faust-Gesellschaft treffen sich in regelmäßigen Abständen zum Austausch von Informationen, Ideen und Anregungen – vor Ort und im virtuellen Raum (per Videokonferenz).
Exkursionen zu Orten, die in Verbindung mit dem historischen oder literarischen Faust stehen, vertiefen das Wissen durch unmittelbares Erleben.
Außerdem werden Fahrten zu beachtenswerten Ereignissen mit Faust-Bezug in der Theater-, Musik- und Kunstwelt organisiert.
Wie können Sie die Arbeit der Faust-Gesellschaft fördern?
Am besten geschieht dies durch Ihre Mitgliedschaft! Je mehr Mitglieder wir sind, desto lebendiger und produktiver wird unsere Tätigkeit.
Außer durch Ihre Mitgliedschaft können Sie unsere Arbeit auch durch eine Spende unterstützen, die wir durch eine steuerlich anerkannte Quittung dokumentieren:
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Internationale Faust-Gesellschaft e.V.
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Mitgliedschaften
Die Internationale Faust-Gesellschaft ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Literarischer Gesellschaften und Gedenkstätten e.V.
ARCHIV
Nachruf auf Dr. Bernd Mahl
Vor einigen Tagen erreichte uns die traurige Nachricht, dass unser Ehrenpräsident Dr. Bernd Mahl verstorben ist. Als Präsident stand er unserer Gesellschaft in den Jahren 2001-2009 vor. Das Faust-Thema und die wissenschaftliche Auseinandersetzung damit begleiteten Bernd Mahl während seines
gesamten Lebens.
Die Internationale Faust-Gesellschaft hat Anlass, Bernd Mahl besonders dankbar zu sein.
Übernahm er doch das Präsidentenamt in einer schwierigen Phase der Gesellschaft, als man
schon fürchten musste, es ginge nicht mehr weiter. Aber dann ist es ihm mit der für ihn so
typischen freundlichen und geduldigen Hartnäckigkeit gelungen, die Widerstände und
Schwierigkeiten zu überwinden und unserer Gesellschaft neues Leben einzuhauchen.
Die erste Begegnung mit Bernd Mahl fand wohl bei vielen von uns in einer
wissenschaftlichen Bibliothek statt, nämlich bei der Lektüre seines – wie man ohne
Übertreibung sagen darf – epochemachenden Buches Goethes ökonomisches Wissen (1982).
Auf vorbildliche und maßstabsetzende Weise wurde hier erstmals das reiche Quellenmaterial
erschlossen, seinerzeit noch auf strikt getrennte Archive in Ost und West verteilt.
Solchermaßen bildet Mahls Studie bis in unsere Gegenwart das Fundament der seither so
wichtig gewordenen Forschung zum ökonomischen Horizont des goetheschen Werks, vor
allem des „Faust“. Wenn man bedenkt, dass dieses Buch bereits 1982 erschien und noch heute
ausführlich zitiert wird und in keinem einschlägigen Literaturverzeichnis fehlt, kann man
einen Eindruck gewinnen von der Originalität und Innovationskraft der Ideen und der
philologischen Arbeit Bernd Mahls.
Die damals noch fast unbekannte, dann aber sich als so produktiv erweisende ökonomische
Perspektive auf Goethes Werk hatte im Falle Bernd Mahls einen konkreten
lebensgeschichtlichen Hintergrund. Denn am Beginn seines Bildungsweges stand zunächst
eine kaufmännische Lehre, ehe er dann das Abitur ablegte und an der Universität Tübingen
Germanistik, Volkswirtschaft und Betriebswirtschaft studierte. Aus dieser seinerzeit
ungewöhnlichen Fächerkombination ging dann schließlich Goethes ökonomisches Wissen als
Doktorarbeit hervor.
Sie steht am Beginn einer reichen Publikationstätigkeit, bei der man die Goethe- und
Faustthematik als roten Faden des wissenschaftlichen Interesses Bernd Mahls erkennen wird.
Erwähnt werden soll hier nur noch seine imponierende, reich illustrierte und präzise
dokumentierte Bühnengeschichte des goetheschen „Faust“ (Goethes „Faust“ auf der Bühne.
1806-1996. Fragment – Ideologiestück – Spieltext. 1998).
Seine wissenschaftlichen, gleichsam theoretischen Goethe- und Faustarbeiten verstand Bernd
Mahl, mit einem höchst engagierten praktischen Unternehmungsgeist für die Sache der
Literatur und der Kultur im Allgemeinen zu verbinden. Mit diesem Elan leitete er dann auch
über viele Jahre die Goethe-Gesellschaft in Stuttgart. Vor dem Hintergrund seines
wirkmächtigen Engagements nimmt man dann vollends beeindruckt zur Kenntnis, dass Bernd
Mahl stets auch noch mit beiden Beinen als Lehrer im Berufsleben stand und an der Schule
unterrichtete.
Bei all diesen Herausforderungen und bei den alltäglichen kräfte- und nervenzehrenden
Mühen wird man im Rückblick heute dennoch konstatieren: Es waren gute Zeiten. Auch
wenn Bernd Mahl damals schon kämpferisch dafür eingetreten ist, die Freiräume für die
Kultur zu erhalten (und zu finanzieren!), so kommt es uns in der Retrospektive vor wie eine
blühende Epoche, und das große Engagement Bernd Mahls war ein Teil davon. Seine
Leidenschaft für das Theater – als Wissenschaftler wie auch als Förderer und Unterstützer –
war legendär.
Dabei gelang es ihm, sein kulturpolitisches Engagement stets mit seinen kultur- und
literaturwissenschaftlichen Interessen und Forschungen und dann auch mit seinen
Publikationen zu verbinden.
Seine Freude an der wissenschaftlichen, intellektuellen und literarischen Zusammenarbeit,
seine Überzeugung von den segensreichen gesellschaftlichen Folgen des gemeinsamen
kulturellen Engagements werden uns dankbar und lebendig in Erinnerung bleiben.
Michael Jaeger
Berlin im Dezember 2025
